Die Kraft der Zahlen
„WIEVIELE PASSAGIERE SIND IM LETZTEN JAHR WELTWEIT GEFLOGEN?“
Zu Beginn unserer Seminare gegen Flugangst (oder wie wir lieber sagen: Seminare für Flugvertrauen) stellen wir gerne genau diese Frage.
Meist liegen die Schätzungen unserer Seminargäste bei „mehreren Millionen“.
11.111.111 – eine kölsche Schnapszahl
Unsere Seminare finden in Köln statt, schauen wir also direkt mal vor der Haustür nach:
Am Köln Bonn Airport gab es 2016, also schon vor 10 Jahren, einen besonderen Grund zum Feiern. Zum ersten Mal in seiner Geschichte überschritt der Flughafen die Marke von elf Millionen Fluggästen innerhalb eines Jahres.
Und weil wir in Köln sind, wurde am 5. Dezember ganz offiziell der 11.111.111. Fluggast begrüßt.
Seymen Splinter kam mit einer Eurowings-Maschine aus Hamburg und wurde im Terminal von Flughafenchef und Eurowings-Geschäftsführer erwartet – mit Blumen und einem Fluggutschein. Eine ziemlich kölsche Art, Statistik zu betreiben.
11.111.111 Passagiere an einem einzigen Flughafen in einem einzigen Jahr. Und Köln/Bonn ist nur einer von Tausenden Flughäfen weltweit!
WELTWEIT SIND…
…knapp fünf Milliarden (5.000.000.000 !) Passagiere mit dem Flugzeug unterwegs (Stand 2025).
Das ist eine Zahl, die man sich nicht so richtig vorstellen kann, aber vielleicht hilft dieses Bild:
Wenn Sie fünf Milliarden Menschen hintereinander aufstellen würden und jeder nur einen halben Meter Platz bekäme, wäre diese Schlange rund 2,5 Millionen Kilometer lang. Das reicht mehr als sechsmal um die Erde.
Oder anders: Würde jede Sekunde ein Passagier an Ihnen vorbeigehen, bräuchten Sie ungefähr 158 Jahre, bis alle vorbei gegangen wären.
All diese Passagiere sind innerhalb eines einzigen Jahres geflogen.
Natürlich handelt es sich dabei nicht um fünf Milliarden verschiedene Menschen – wer zehnmal fliegt, wird auch zehnmal gezählt.
Doch genau darum geht es: um fünf Milliarden einzelne Passagierreisen mit dem Flugzeug 2025.
2025 wurden weltweit 38,7 Millionen Flüge durchgeführt.
Teilen wir das durch 365 Tage, kommen wir auf durchschnittlich rund 106.000 Flüge pro Tag.
Das sind: 4.400 Flüge pro Stunde. Oder: mehr als 70 Flüge pro Minute.
Während Sie diesen Absatz lesen, sind also irgendwo auf der Welt schon wieder Dutzende Flugzeuge gestartet.
Menschen fliegen zur Arbeit, in den Urlaub, besuchen Freunde und Familie oder machen sich auf den Weg zu einem Geschäftstermin.
Und am nächsten Tag beginnt das Ganze von vorn. Das Flugzeug ist ein Massentransportmittel.
Allerdings: Wenn wir an das Thema Fliegen denken, haben wir häufig nicht die Millionen völlig unspektakulärer Flüge vor Augen, sondern wir erinnern uns an die Ausnahme.
Wie viele Menschen verloren ihr leben durchs fliegen?
2025 starben nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) 394 Menschen bei Flugunfällen an Bord von Verkehrsflugzeugen.
Jeder einzelne Todesfall ist natürlich einer zu viel und hinter jeder Zahl stehen Menschen und ihre Angehörigen.
Gleichzeitig gehört zur Einordnung aber auch dieses Verhältnis:
394 Todesfälle bei knapp fünf Milliarden Passagierreisen.
Von 38,7 Millionen Flügen waren acht in einen tödlichen Unfall verwickelt.
Das macht das Fliegen nicht „absolut sicher“. So etwas gibt es nicht, in keinem Bereich des Lebens.
Aber es zeigt, in welchen Größenordnungen wir uns tatsächlich bewegen.
NORMALE FLÜGE TAUCHEN IN DEN NACHRICHTEN NICHT AUF
Wenn irgendwo auf der Welt ein schwerer Flugunfall passiert, erfahren wir davon:
Bilder erscheinen tage- und wochenlang in Nachrichtensendungen, auf Internetseiten und in sozialen Medien. Der Algorithmus kennt natürlich auch das Nutzerverhalten.
Was wir normalerweise nicht lesen:
„Heute sind weltweit wieder mehr als 100.000 Flüge durchgeführt worden.“
Das wäre vermutlich eine ziemlich langweilige Nachricht. Für unsere Risikowahrnehmung hat das allerdings Folgen. Das Außergewöhnliche ist präsent, gerade weil es außergewöhnlich ist. Das Alltägliche bleibt unsichtbar.
38,7 Millionen Flüge verschwinden deshalb fast vollständig aus unserer Wahrnehmung. Einige wenige Ereignisse dagegen können sich sehr tief einprägen.
Zahlen gegen Flugangst?
Nun wäre es schön, wenn Flugangst eine reine Rechenaufgabe wäre. Man schaut sich ein paar Statistiken an, stellt fest, wie sicher Fliegen ist – und die Angst ist weg. So funktioniert es leider meistens nicht.
Denn Angst lässt sich nicht einfach mit einer Zahl widerlegen. Wer im Flugzeug sitzt und plötzlich Herzklopfen bekommt, denkt vermutlich nicht:
„Moment, ich sollte noch einmal die Unfallrate pro Million Flugbewegungen überprüfen.“
Unsere eigenen Emotionen, die Symptome der Angst sind uns viel näher, als Statistiken.
Trotzdem können Zahlen helfen, um dem Gefühl eine realistische Perspektive gegenüberzustellen.
In unseren Seminaren gehen wir insbesondere im psychologischen Teil auf die Emotionen bei Angst ein und was Sie konkret tun können, wenn der Körper Alarm schlägt. Da gibt es sehr viele Übungen zur Selbstregulation, Entspannungstechniken und letztlich auch Wissen darum, was im Körper passiert (bzw. auch nicht – Angst ist nie gefährlich).
Unser Gefühl sagt vielleicht: „Da oben kann so viel passieren.“
Die Zahlen zeigen gleichzeitig: Knapp fünf Milliarden Passagierreisen,
38,7 Millionen Flüge, mehr als 100.000 Flüge jeden Tag.
Und fast immer passiert etwas ausgesprochen Unspektakuläres: Die Menschen kommen an.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kraft der Zahlen.